21.1.04

Einstand oder Willkomm und Abschied 

"Regimeeent Rrrrrichten! - Regimeeent Rrrruhn! - Regimeeent Achtung!!!!" - "Melde Luftschutzregiment 41 zum Fahnenmarsch bereit" (Pkt. 99 c.) Befehl Fahnenmarsch (99 e & f), >Feldzeichen zieht vorbei (99 g), Kommandant grüsst Feldzeichen (99 h), besteigt Podest (99 i), "Rrruhn! - Helm ap!" (99 k.), kurze Ansprache des Kdt (99 l.) "Heelm aufff!" "Aaach--tunngggg!!" "Spiel: Nationalhymne" (99 m.) "Regimeent Rrruhn!" (99 o.) (gemäss Behelf für Adjudanten der Schweizer Armee 51.34 d gültig ab 1. Januar 1991)
Eine Republik braucht symbolische Handlungen, Rituale, Ordnung. Ein WK ein Kommando, ja eine ganze Armeeverfassung haben Anfang und Ende. Aber auch eine Legislatur, ein diplomatisches Jahr, eine Amtszeit. Als am 10. Dezember Bundesrat Blocher der vereinigten Bundesversammlung und der Nation vor den Bildschirmen verkündete, er werde "wegen der Arglist der Zeit" (>Bundesbrief) auf die üblichen Ehrungen seines Standes verzichten, wollte er folgendes sagen: Er werde nicht in Bern den Extrazug der Bundesbahn besteigen, nicht auf dem Zürcher Bahnhof sich vom Stadtrat empfangen lassen, nicht die beflaggte Bahnhofstrasse abschreiten, nicht auf die Stadthausanlage mit bis zu 5000 Mitbürgern treten, nicht das Sonderschiff nach Herrliberg besteigen, nicht dorten unter Klängen der Dorfmusik an Land gehen, nicht in der Dreifachturnhalle mit 600 geladenen Gästen, Militärs und Politiker, Reden des Regierungspräsidenten, des Gemeindepräsidenten und eines Vertreters des Bundesrates sich anhören.
Weshalb? Der 150'000 Franken wegen, die auch für Sekt und Wein bereit standen? Oder brach jener heilige Zorn des Gerechten durch, der den Bauernlehrling Christoph an einem langen, heissen Arbeitstag auf dem Feld das Glas Most, das ihm der Meister endlich brachte, diesem höhnisch vor die Füsse leeren liess (>Trinksitten). Hat Helvetia zu spät ihren Sohn erkannt? Warum liess er sich den Höhepunkt seines politischen Lebens nehmen, den der sparsame Ausserrhoder Kollege Merz in der Herisauer Dorfkirche mit dem Zürcher Regierungspräsidenten Christian Huber (SVP) – bis zur letzten Rührungsträne, zum letzten Orgelton auskostete? – ein Weichsinniger. Auch Leuenberger zog 1995 als Hoffnungsträger die Bahnhofstrasse hinunter – ein Sozi. Aber ist Bauer Max Binder (SVP), der "höchste Schweizer" ein Steuergeldverschleuderer, der seine Ehrung zur Nationalratspräsidentenwahl sichtlich genoss? – "Da isch en schöne alass gsi, muess i säge" meint rückblickend Standesweibel Sturzenegger, der "die Herrschaften" – wie er sie nennt – in den Kantonsfarben jeweils begleitet.
Den Auftritt in Zürich hatte Blocher schon 1992, als er das Kommando über das Luftschutzregiment 41 abgab, das er ein Jahr vor dem Mauerfall und Armeeabschaffungsinitiative (>Tierschutz) übernommen hatt. Dann der Fichenskandal (>Feldstecher) mit Leuenberger in der PUK 1, die von "heimatmüden" >Intellektuellen bestreikte Siebenhundertjahrfeier. Bundesrat Villiger schrumpfte die Armee 61 auf 95 hinunter. Als Zeichen gegen die "Arglist der Zeit" (>Bundesbrief) beschloss Obst Blocher auf der Sechseläutenwiese, die Feldzeichen seiner Bataillone abzugeben und einzupflanzen. Stadtrat und Polizeikommando sollten nichts wissen, die geladenen Vorgesetzten verfügten sich an jenem 6. Februar, im Glauben, der scheidende Oberst wolle auf der Forch "patriotische Schauder" erzeugen, an den Bahnhof Stadelhofen. Nur der Presse gab Blocher am frühen Nachmittag im Hotel Eden seine Pläne preis. Zweifeln eines NZZ Redaktors und Generalstabsobersten an Opportunität und Durchführbarkeit der Aktion entgegnete der Churchill-Bewunderer: "Meine Bataillone sind schon im Anmarsch". Zufällig war damals dabei als die 750 Männer "in den Kampfanzügen von den Fahrzeugen und formierten sich ohne vorherige Drill- oder Putzaktionen sofort auf dem feuchten, winteröden Braun (>Fröntler) der Wiese" (Blocher in "Ostschweizer Korpsgeist" S. 223). Fahnenabgabe nach Reglement (siehe oben). Weniger als 20 Minuten musste die Zusammenrottung von Wehrmänner auf "Zürichs heiligster Wiese" dauern, um nicht der polizeilichen Bewilligung für die Nutzung des öffentlichen Raumes zu unterstehen.
Deshalb: kein üblicher Empfang für den den bösen Buben Blocher. Und so schälte sich am 19. Dezember der neue Bundesrat mit Gattin aus dem Oldtimer in Herrli(CH)berg (>Gersau), tauchte in den abendlichen Bier- und Bratwurstduft eines Volksfestes ein, das er auch privat gesponsert hätte, wäre der Gemeindspräsi nicht stur geblieben. Bis zu 2000 Menschen: Treichler und Jodler und Bewunderer des doppelt Bewachten versammelten sich im Sicherheitsdispotitiv der Kantonspolizei. In der Vogtei (>Gessler) zu Herrliberg hielten seine Getreuen Reden: Rolf Jenny (SVP, Gemeindepräsident), Christian Huber (SVP, Regierungspräsident), Ueli Maurer (SVP, Parteipräsident), Max Binder (SVP, Nationalratspräsident), C.B. (SVP, Geehrter und Vertreter des Bundesrats). Standesweibel Sturzenegger war nicht dabei, weder privat noch blau-weiss. Doch Blocher feierte "was rechtes, nämlich sich", seinen selbstfinanzierten Erfolg, den er Ideen verdankt, die er aus dumpfen Ahnungen der Volksseele in griffige Bilder gegossen hat, indem er den ihm gewidmeten Marsch seines Angestellten, ihm gespielt von Musik der zu einem Fünftel aus seinen Steuern finanzierten Gemeinde, auch gleich selber dirigierte.
So trat C.B., der sein militärisches Kommando mit einem Husarenstück abgab, seine Magistratur mit einem in der Geschichte Zürichs wohl einmalig-schildbürgerlichen "Bundesratsempfang" an.
Wahrlich, helfe ihm Gott!!!